US-Handelsminister Lutnick räumt Besuch auf Epstein-Insel ein

10.02.2026

© Fabrice COFFRINI, AFPUS-Handelsminister Howard Lutnick hat erstmals einen Besuch auf der Karibik-Insel des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein eingeräumt. Er sieht sich deshalb mit Rücktrittsforderungen konfrontiert.

US-Handelsminister Howard Lutnick ist wegen seiner Beziehungen zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Lutnick verstrickte sich am Dienstag im US-Senat in Widersprüche: Zwar bestritt er enge Kontakte zu Epstein. Zugleich räumte er aber einen Besuch auf Epsteins Privatinsel ein, auf der zahlreiche Mädchen und junge Frauen missbraucht worden sein sollen. Präsident Donald Trump hält dennoch an dem 64-Jährigen fest.

Lutnick sagte bei der Anhörung in einem Senatsausschuss, er habe nach dem Jahr 2005 über einen Zeitraum von 14 Jahren "keinerlei Beziehung" zu Epstein gehabt. Das würde die Zeit bis zu dem Tod des verurteilten Sexualstraftäters 2019 umfassen. "Ich hatte so gut wie nichts mit dieser Person zu tun", beteuerte der Minister.

Lutnick gab allerdings zu, im Jahr 2012 - und damit im fraglichen Zeitraum - Epsteins private Karibikinsel Little St. James besucht und mit dem verurteilten Sexualstraftäter zu Mittag gegessen zu haben. Er sei mit seiner Frau, seinen Kindern sowie deren Kindermädchen "im Familienurlaub" auf der Insel gewesen, sagte Lutnick. Vor Ort sei ihm nichts Ungewöhnliches aufgefallen, er habe nur Epsteins Mitarbeiter gesehen.

Das Justizministerium in Washington hatte Ende Januar rund drei Millionen neue Dokumente zu dem Fall veröffentlicht. Darin war erstmals von Lutnicks Besuch auf der Epstein-Insel die Rede und von weiteren Kontakten. So wurde der Handelsminister in dem Ausschuss zu Dokumenten befragt, die darauf hindeuten, dass Epstein eines der Kindermädchen kennenlernen wollte. Das habe nichts mit ihm zu tun, sagte Lutnick. "Ich habe nichts zu verbergen, absolut nichts", betonte der Minister, der Trumps aggressive Zollpolitik vertritt.

Lutnick bestritt zudem, 2011 in Epsteins New Yorker Wohnung zu Abend gegessen zu haben. Er räumte jedoch ein, dass die Unterlagen auf ein geplantes Treffen mit Epstein im Mai desselben Jahres hindeuteten.

Nach der Veröffentlichung der Akten waren Rücktrittsforderungen an Lutnick laut geworden. Druck machen vor allem Kongressmitglieder der oppositionellen Demokraten. Der Senator Adam Schiff warf dem Handelsminister "Lügen über seine Geschäftsbeziehungen mit einem verurteilten Kinderschänder" vor. "Er sollte unverzüglich zurücktreten", verlangte Schiff. Auch der republikanische Abgeordnete Thomas Massie forderte in einem CNN-Interview, Lutnick solle Präsident Trump "das Leben erleichtern und einfach zurücktreten".

Trumps Sprecherin Karoline Leavitt wies dies zurück: Lutnick sei "ein sehr wichtiges Mitglied in Präsident Trumps Team, und der Präsident unterstützt den Minister voll und ganz", erklärte sie. Trump bestreitet ähnlich wie Lutnick engere Beziehungen zu Epstein, bisher veröffentlichte Fotos und andere Dokumente legen allerdings das Gegenteil nahe. Ein persönliches Fehlverhalten wurde dem Präsidenten bisher nicht nachgewiesen.

Epstein soll nach Erkenntnissen des FBI und des US-Justizministeriums mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht haben. Teilweise soll er die Opfer an Prominente vermittelt haben. Der Multimillionär Epstein war 2008 verurteilt worden, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Nach einem umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft saß er nur knapp 13 Monate Haft ab.

Im Juli 2019 wurde Epstein erneut festgenommen und von einem Bundesgericht beschuldigt, noch viel mehr Opfer missbraucht zu haben. Am 10. August 2019 wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefunden, nach offiziellen Angaben beging er Suizid.